res extensa vs. res cogitans

Descartes hat bei seinen Meditationen erkannt, dass es zwei Grundsubstanzen gibt: res extensa und res cogitans.

Heute würden wir diese beiden Substanzen – also das zugrunde liegende bzw. das, woraus alles andere besteht – Materie und Gedanken nennen.

Mit der res extensa haben wir das kleinste Problem. Die externe, materielle Welt ist vorhanden und wir können sie durch unsere Sinne erfahren. Hier besteht sogar mehr oder weniger Einigkeit darüber, dass diese Welt besteht und wie sie beschaffen ist.

Die res cogitans dagegen macht uns bereits weitere Probleme. Hardcore Materialisten gehen davon aus, dass diese Ebene gar nicht existiert und dass sie im besten Falle ein Epiphänomen der materiellen Welt sei… Auch wenn Epiphänomen sehr spannend klingt, wird darunter nur das Prinzip verstanden, dass viele Einheiten in ihrer Gesamtheit plötzlich etwas Neues ergeben können. So wie viele Bäume zu einem Wald werden.

Das Argument hat jedoch gleich viel Wirklichkeitsbezug wie Descartes’ Erklärung, dass Tiere keine Schmerzen fühlen. Wenn ein Hund Geräusche von sich gibt, während man ihn schlägt, dann ist das nichts anderes als das Quietschen einer Maschine, wenn man Sand ins Getriebe füllt.

Natürlich wäre solch eine Erklärung logisch stringent. Auch die Erklärung, dass es keine Materie gibt, sondern alles nur Geist ist, ist logisch haltbar.

In der persönlichen Erfahrung sind wir jedoch mit diesen beiden Welten – res extensa und res cogitans – konfrontiert. Und jeder von uns kennt beide Welten.

Lustigerweise werden die beiden Welten jedoch sehr oft vermischt. Und diese Vermischung bringt die absurdesten und lustigsten Problemstellungen hervor.

So gibt es einen Ansatz, der sehr in der US-amerikanischen Personal Growth Szene vertreten ist, der davon ausgeht, dass die Welt der Gedanken, die Welt der Materie beherrscht. Dabei werden solche Bilder geschaffen wie: „Stell dir vor, dass du Millionär bist und das Geld fließt dir auf wundersame Weise zu.“ Das ist zwar nett, aber absurd. Und die Absurdität wird dann sichtbar, wenn man das „Objekt“ austauscht: „Stell dir vor, dass du 100m groß bist und du wirst auf wundersame Weise wachsen.“ Tut mir leid, dich zu enttäuschen, aber das wird so nicht funktionieren.

Die externe, materielle Welt folgt ihren Gesetzen und geht ihren Lauf – egal, was du oder andere Menschen darüber denken.

Das andere Extrem ist in der materialistischen Wissenschaft anzutreffen. Hier geht man davon aus, dass die Materie die Welt der Gedanken beherrscht.

Dabei werden solche Bilder geschaffen wie: „Jemand der Traurig ist, hat eine biologische Fehlfunktion. Wenn man ihm einfach Tabletten gibt, die die Leitfähigkeit seiner Synapsen erhöht, dann geht es ihm wieder gut.“ Das ist zwar nett gemeint, aber ebenso absurd, wie das obige Beispiel. Auch hier wird die Absurdität sichtbar, wenn man das „Objekt“ austauscht: „Jemand der von der kommunistischen Ideologie geleitet ist, hat eine Fehlfunktion. Wenn man ihm Tabletten gibt, die seine Synapsen ausrichten, dann geht es ihm wieder gut und er wird Kapitalist.“ – aber auch das wird nicht klappen.

Was ist nun der Ausweg?

Wer als Werkzeug nur einen Hammer hat, sieht in jedem Problem einen Nagel.

Watzlawick

Weg von einem Werkzeug und hin zu zweien! So ist der Leitspruch dieser Lösung. Wenn man sowohl das Vorhandensein als auch den Wirkungsbereich der beiden Welten – res extensa und res cogitans – erkennt, dann wird es einfach, denn dann werden auch die Grenzen sichtbar.